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Meldung vom 27.03.2018

Arbeiterwohlfahrt im Berchtesgadener Land breit aufgestellt mit neuem Vorstandsteam

Bild: KK 2018Zur Kreiskonferenz konnte der Kreisvorsitzende Johann Schubert Delegierte aus den Ortsvereinen und hochrangige Gäste aus verschiedenen Tätigkeitsbereichen der Arbeiterwohlfahrt (AWO) im Seniorenzentrum Freilassing begrüssen.

100 Jahre AWO - nach wie vor hochaktuell!
Christian Willwerth, Leiter der Mitgliederorganisation des AWO-Bezirksverbandes Oberbayern, erinnerte in seinem Grusswort vor der Kreiskonferenz des Berchtesgadener Landes an die Entstehung des Wohlfahrtsverbandes, eines der sechs Spitzenverbände der Wohlfahrtspflege.
Große soziale Not und ein Staat mit zusammengebrochenen Institutionen. Das war die Situation nach dem ersten Weltkrieg in Deutschland und die Geburtsstunde der Arbeiterwohlfahrt. Am 13. Dezember 1919 gründete die Sozialdemokratin und Frauenrechtlerin Marie Juchacz einen Ausschuss, der das organisieren sollte, was dringend gebraucht wurde: Hilfe in ärgster Not, Menschen, die sich solidarisch um Notleidende kümmern. Die ersten Tätigkeitsbereiche waren Nähstuben und Suppenküchen.
Aus diesem Ausschuss wurde schnell eine eigenständige Organisation, die heutige Arbeiterwohlfahrt (AWO).
Sie hat derzeit insgesamt über 333.000 Mitglieder, 65.000 ehrenamtliche und 211.000 hauptamtliche Mitarbeitende.

Christian Willwerth sieht neben den bekannten Aufgabenbereichen der Wohlfahrtsverbände drei neue Problembereiche auf die Gesellschaft zukommen: die Vereinsamung im Alter, Sicherstellung guter Gesundheitsfürsorge auch für sozial Schwache und die große soziale Frage der Bildungsgerechtigkeit. Diese Themen sind für Wohlhabende in unserer Gesellschaft befriedigend geregelt, nicht aber für Menschen in schwierigen Lebenssituationen.

Professionelle Arbeit und ehrenamtliches Engagement
Die fachlichen Anforderungen an die Mitarbeiter der AWO werden weiter zunehmen, so der Vertreter des AWO-Bezirksverbands.
Trotz dieser zunehmenden Professionalisierung der sozialen Arbeit ist es notwendig, die dringend notwendige ehrenamtliche Arbeit weiter zu stärken.
Dass es das Ehrenamt überhaupt noch gibt, dafür stehen im Berchtesgadener Land sieben Ortsvereine mit über 300 Mitgliedern.
In den Ortsvereinen wird vielfach engagierte Seniorenarbeit geleistet; im Ortsverein Bischofswiesen-Berchtesgaden wird mit grossem Aufwand und sehr viel Engagement und Sachkunde eine Ganztagesbetreuung für Grund- und Mittelschüler betrieben. Im Ortsverein Piding arbeitet seit Jahren ein rundum bekannter und beliebter Second-Hand-Shop.

Wie viele gesellschaftlich relevante Gruppen leidet die AWO zunehmend an dem Ausbleiben jüngerer Mitglieder; hier gegenzusteuern ist Auftrag an alle Verantwortlichen; auf Landkreisebene ist das der AWO-Kreisverband, der Dachverband der Ortsvereine im BGL ist.
Der Kreisvorstand ist ehrenamtlich besetzt; zu seinen Aufgaben gehört primär die Ortsvereine zu fördern. Daneben ist der Kreisverband, und das belastet den Kreisvorstand stark, Träger von professionellen Einrichtungen zur Betreuung von Schulkindern.
Der folgende Bericht des Vorstands hatte diese Doppelfunktion des Kreisverbands zum Gegenstand, nicht nur bei der AWO ein bekanntes Problem.

Neuwahlen - Aufbruch mit vergrössertem Vorstand!
Anschliessend wurden turnusgemäss die Wahlen des Vorstands durchgeführt, wie erwartet ohne grosse Überraschungen.
Wiedergewählt wurden Vorsitzender Johann Schubert, stellvertretender Vorsitzender Roman Niederberger, Kassier Ulo Scheuerl und Beisitzer Fritz Sparrer; als weitere Beisitzer wurden gewählt Susanne Aigner, Anneliese Hinterbrandner, Annemarie Leirer, Manfred Rau und Dr. Werner Vietze. Revisorin ist weiterhin Katrin Kiehne.

Fachliche Tätigkeitsfelder der AWO im Berchtesgadener Land:
Der folgende Hauptteil der Kreiskonferenz hatte die Aufgabe, die ganze Bandbreite der AWO-Leistungen im Berchtesgadener Land darzustellen.
Den meisten Landkreisbürgern sind die beiden Seniorenzentren des Bezirksverbands Oberbayern in Laufen und Freilassing bekannt.
Das Seniorenzentrum in Freilassing, mit seinen rund 140 professionellen Mitarbeitern, wurde von dessen Leiter, Andreas Achmed Weis vorgestellt. Leitbild des Bürgerstifts ist es, die zu betreuenden Personen als Kunden zu sehen. Entweder zu Hause durch den ambulanten Pflegedienst oder mit Hilfe der angebotenen Tagespflege und schließlich in der stationären Einrichtung selbst. Ziel sei immer, die Menschen bei einem möglichst selbstständigen Leben zu unterstützen. Weiß, der seit 19 Jahren die Einrichtung leitet, freute sich, für Juni 2018 den Beginn für den Neubau in Freilassing ankündigen zu können. Seit Jahren sammelt er die Vorschläge der Mitarbeiter, der Bewohner und ihrer Angehörigen um sie im Neubau umzusetzen. Einen naturnahen Außenbereich will er schaffen, einladend für Bewohner und heimische Tiere, besonders Vögel. Innen werde es statt einer zentralen Küche mit Speisesaal eine Aufteilung in 11 Wohngruppen mit je einer eigenen Küche geben.
Facit: Die AWO bietet auch im BGL mustergültige Einrichtungen mit zeitgemässer Fürsorge für alte und pflegebedürftige Mitbürger an.

Niemals aufhören, rauszugehen

Als weitere Einrichtung mit überregionalem AWO-Träger wurde der Sozialpsychiatrische Dienst (SPDi) in Bad Reichenhall (Träger Projekteverein, verbunden mit der AWO München). von Sabine Haase, Bereichsleiterin Berchtesgadener Land, vorgestellt. Hervorgegangen aus einer Initiative von Studenten der FH München gründete sich 1973 der Projekteverein mit dem Ziel, die Psychiatrie menschlich zu machen. Im Berchtesgadener Land wurde das Ziel im ehemaligen Hotel Tiroler Tor verwirklicht. Der SPDi BGL beschäftigt heute 50 Mitarbeiter. Zwischenzeitlich gibt es neben dem ursprünglichen Angebot einer Anlaufstelle für psychisch kranke Menschen die Geronto-Psychiatrie, das Wohnprojekt Tiroler Hof mit 18 stationären Plätzen, die Eingliederungshilfe des Bezirkes Oberbayern, die Zuverdienstwerkstatt, ein Möbelprojekt und den Krisendienst. Weitere Wohnangebote bestehen in Freilassing. Das Ziel ihrer Einrichtung für die Patienten sind Teilhabe und Anschluss in der Gesellschaft, erklärt Sabine Haase: „Der Patient soll niemals aufhören, rauszugehen“.

Weiter wurde von Sozialarbeiter Asim Aydin die neu in Reichenhall eingerichtete Migrationsberatung vorgestellt. Träger ist die Beratungsdienste der AWO München GmbH. Zusammen mit der seit 10 Jahren bestehenden Beratungsstelle in Freilassing bietet die AWO im Berchtesgadener Land kompetente Beratung für Migranten an. Schwerpunkt ist die Integration, im beruflichen Bereich z. B. durch Hilfe bei Bewerbungen, Vorstellungsgesprächen oder Anerkennung von ausländischen Zeugnissen.

Schliesslich stellte der Kreisvorsitzende Johann Schubert noch die Leistungen des AWO-Kreisverbands in der ausserschulischen Betreuung von Schulkindern dar. Neben dem seit mehr als 25 Jahren bestehenden und hoch angesehenen Kinderhort Villa Kunterbunt in Freilassing ist der Kreisverband auch Träger einer offenen und gebundenen Ganztagesbetreuung an der Mittelschule zu in Bad Reichenhall und von Mittagsbetreuungen an 2 Grundschulen
Die regelrechte Führung und Verwaltung der Einrichtungen belastet den Kreisverband erheblich, organisatorisch wie finanziell.
Andererseits hob Johann Schubert die dringende Notwendigkeit einer pädagogisch hochwertigen ausserschulischen Betreuung der Schulkinder hervor. Die Regelschulen können vielen Kindern mit Problemen, nicht gerecht werden. Nicht erst seit der Zunahme der Kinder mit Migrationshintergrund gibt es leider viele Kinder, die die Schule nur mit fachlicher Unterstützung erfolgreich besuchen. Und Nachhilfe ist halt eine Frage des Geldes!
Umso wichtiger ist eine kompetente Betreuung der Kinder in der Zeit nach der Schule, in der neben Spielen, Entspannung und einem guten Essen die Unterstützung bei der schulischen Nacharbeit besonders wichtig ist.

Johann Schubert stellte zum Ende der Kreiskonferenz erfreut fest, dass die verschiedenen AWO-Gliederungen im Berchtesgadener Land wichtige Aufgaben bei der sozialen Versorgung der Bevölkerung wahrnehmen, von der professioneller Kinder- bis zur Seniorenbetreuung, von der Fürsorge für psychisch kranke Mitbürger bis zur Hilfe zur Integration von Zuwanderern.
Mit herzlichem Dank an Alle, die die Kreiskonferenz zu einer interessanten Veranstaltung gemacht haben, besonders an das Team des Seniorenzentrums, das die Teilnehmer gastronomisch verwöhnt hatte, schloss der Kreisvorstand.


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